Aufnahme Marias in den Himmel: Geschichte und Bedeutung

Aufnahme Marias in den Himmel: Geschichte und Bedeutung

Eine große Marienprozession in einer mittelalterlichen europäischen Stadt, angeführt von einer hoch

Die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel: Bedeutung und Quellen

Erfahre mehr über die einzigartige Bedeutung der „Mutter Gottes“ und ihre leibliche Aufnahme in den Himmel. Entdecke, welche Quellen es zu Marias Leben gibt und wie sie uns helfen, die Bedeutung von Jesus und seiner Mutter zu verstehen.

Die vielen Marienfeste im Laufe des Kirchenjahres, die vielen Wallfahrten und außerordentlichen marianischen Gebetsstätten im Leben der Kirche, vor allem der katholischen Kirche, zeigen die ganz außerordentliche Bedeutung der „Mutter Gottes“. Nicht selten wird der Kirche und der katholischen Frömmigkeit: (besonders von protestantischer Seite) vorgeworfen, dass damit Maria geradezu Gott und Christus verdrängt und eine Stellung einnimmt, die Gott gleich ist; einer Göttin vergleichbar.

Wird damit die Gestalt Jesu und auch seiner Mutter Maria völlig überhöht und von einem überbordenden emotionalem, religiösen Verlangen in die übernatürliche, göttliches Sphäre versetzt?War Maria in Wirklichkeit eine ganz normale Frau, die mit einem Zimmermann namens Josef verheiratet, jenen Sohn geboren hat, der tatsächlich ein ganz „Großer“ in der Geschichte der Menschheit wurde und die christliche Religion gründete.

Die Berichte über Jesus und seine Brüder und Schwestern

Hatte Maria mit Josef mehrere Kinder?

Wenn wir diese Fragen stellen, so stellen wir gleichzeitig die Fragen nach den Quellen unseres Wissens über Jesus und Maria.

Und dann können oder müssen wir feststellen, dass die einzigen belastbaren Quellen in den Evangelien der Bibel und in wenigen weniger belastbaren „Apokryphen“ (d. h.nicht offiziellen) Schriften zu finden sind. An mehreren Stellten werden Brüder und Schwestern Jesu genannt. Am bekanntesten ist die Begebenheit in Nazareth, die uns von Lukas berichtet wird (Lk 4,16 – 30).

Als Jesus nach seinen ersten großen Predigten und Wundern als berühmter „Prophet“ in seine Heimatstadt kommt, und sich dort als der messianische Gesandte der Endzeit zu erkennen gibt, da springen die Nazarener wütend auf und schreien: „Ist das nicht der Sohn Josefs?!“ Und sie treiben ihn zur Stadt hinaus, um ihn den Abhang hinabzustürzen und zu töten. Und Matthäus, der dieselbe Begebenheit darstellt (Mt 13, 54-56), fügt noch hinzu, dass die Nazarener empört und wütend erklären: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria und sind nicht Jakobus, Josef, Simon und Judas seine Brüder?

Leben nicht alle seine Schwestern unter uns?“ Es gibt mehrere solche Begebenheiten, bei denen von „Brüdern und Schwestern“ Jesu die Rede ist.

Dazu sind drei Anmerkungen zu machen:

1.  Jesus lebte in Nazareth mit seinen Eltern nicht isoliert, sondern in einer Großfamilie, nämlich mit der Familie des Kleopas und seiner Frau Maria (die nahe Verwandte waren) Diese hatten acht Kinder. (Die vier Söhne werden mit Namen genannt.) Dorthin waren Maria und Josef nach ihrer Verlobung in Jerusalem gezogen.Dass diese Kinder der Kleopas-Familie als Brüder und Schwestern Jesu bezeichnet werden, entspricht dem damaligen Verständnis in einer solchen Familie. Auch an mehreren anderen Stellen ist von „Brüdern Jesu“ die Rede, ohne damit eine leibliche Abstammung zu meinen. Und wo diese gemeint ist, beruht sie auf Unkenntnis, Missverständnis oder gar Bosheit.

2. Die Begebenheiten und Berichte über den Auftritt Jesu ein Nazareth sind gezeichnet von Enttäuschung, Wut und Hass.Man hatte spektakuläre Wunder erwartet, damit Nazareth als seine Heimatstadt vor den anderen Städten glänzen konnte. Stattdessen hält Jesus ihnen gerade dies als ihren Unglauben vor. So bricht sich Enttäuschung, Wut und sogar tötlicher Hass die Bahn. Man will bewusst durch diese pauschale Benennung seiner niedrigen Abstammung den messianischen Anspruch Jesu niedermachen. Was von solchen Wutausbrüchen zu halten ist, mag jeder selbst bewerten: die Wahrheit stirbt in solchen Fällen zuerst.

3. Warum eigentlich sollen diese Aussagen von den Brüdern und Schwestern Jesu geltend sein, andere aber, welche die tatsächlichen Zusammenhänge und Hintergründe ausführlich darstellen, nicht? Wird nicht in demselben Lukas-Evangelium die jungfräuliche Empfängnis Jesu ausführlich dargestellt? Ebenso bei Matthäus, der noch besonders die Zweifel und Enttäuschung Josefs hinzufügt, und der Maria wegen ihrer – nicht von ihm her- rührenden Schwangerschaft – sogar aus der Verlobung entlassen will?

Die Verkündigung der Gottesmutterschaft Marias und ihre Quellen

Es ist also offensichtlich, dass die Anführung jener Stellen, welche Jesus als Bruder unter Brüdern und Schwestern und Maria als Mutter vieler Kinder darstellt, Polemik ist, die dem Zweck dient, die göttliche Natur Jesu zu leugnen.

Diese Polemik zeigt sich aber als blind und einseitig, indem sie andere Stellen der Evangelien einfach ausblendet.Und das sind nicht einige „andere Stellen“. Die Evangelien sowie das gesamte Neue Testament beruhen ganz und gar auf der Botschaft, dass jener „Jesus von Nazareth“ der wahre Sohn Gottes und Erlöser ist.

Auf dieser Tatsache beruht auch die ganz einzigartige Stellung und Bedeutung Marias. Denn wer an Christus als den Sohn Gottes und Erlöser glaubt, der kann nicht umhin, diese Frau, seine Mutter, in ihrer Größe und Bedeutung über jeden anderen Menschen hinaus zu ehren und zu würdigen. Denn dann ist die Mutterschaft Marias nicht als natürliche Mutterschaft zu verstehen. Und sie ist nicht eine so großartige Frau, nur weil sie einfach menschlich so hervorragend wäre. Die Erwählung dieser Frau besitzt unfassbare Weiten: Gott hat sie nicht einfach irgendwann und irgendwie erwählt und bestimmt, mit ihrem Ehemann Josef ein Kind zu bekommen, das dann von Gott zum Sohn erhoben oder „gemacht“ wird.

Das ist ein Missverständnis, das in den ersten Jahrhunderten in der Kirche durch die Irrlehre des Arius zu einer Zerreißprobe wurde und das schon die Konzilien von Ephesus 325 und 431 feierlich verurteilt haben. Nein, diese Mutterschaft ist eine die auch menschlich alle Vorstellungen und Grenzen sprengt.

Die Mutterschaft Marias ist keine rein natürliche

Sie ist durch den Heiligen Geist eine jungfräuliche Mutterschaft. Der Gottessohn Jesus Christus wird durch den Heiligen Geist selbst in ihr gebildet. Nur so kann sie den empfangen, der in seiner ganzen Existenz wahrhaft der Sohn Gottes ist; der also nicht natürlicherweise Mensch wird und dann gleichsam von Gott adoptiert und erhöht wird. So ist dieser Gottessohn nicht nur ein Mensch seiner Zeit, nicht nur jener damaligen Kultur und Gesellschaft, der somit nicht nur zeitbedingt sprach und wirkte, so dass man seine Botschaft den folgenden Zeiten und Kulturen anpassen müsste (wie es heute moderne Zeitgeist-Strömungen vertreten). Nein, es ist umgekehrt. Er ist der Gottessohn, durch den alle Zeiten und Kulturen geprägt, verwandelt und erlöst werden. Und so ist auch Maria, als die Mutter Gottes, in ihrem Wesen von Anfang an über alle Zeiten und Kulturen erhoben, um ihnen wahrhaftig den Sohn Gottes zu bringen. Maria ist von Anfang an, wie Jesus selbst, in ihre Zeit und Kultur hineingeboren, aber in ihrem Wesen in die Ewigkeit und Heiligkeit Gottes eingetaucht und aus ihr hervorgebracht.

Maria ist von Anfang an ohne Erbsünde. Die „unbefleckte Empfängnis“ ist eine fundamental neue Schöpfung!

So ist es von größter Bedeutung, dass Maria von ihre Empfängnis an, dem ersten Moment ihrer Existenz in dieser Welt, zur Mutterschaft des Göttlichen Erlösers berufen und bestellt wurde, indem sie der Ursünde enthoben wurde und sich vor jeder persönlichen Sünde bewahrte. Sie zertrat jener Schlange, die Eva  zur schrecklichen Sünde göttlicher Eigenbestimmung verführte, den Kopf.

Ja, sie ist der erste Mensch, welcher der seit der Ursünde im Paradies sünden- und schuldbeladenen und verdorbenen Welt enthoben war und in welcher eine neue Schöpfung begann. Sie wurde der absolut neue Mensch. Nicht ein Mensch nur ihrer Zeit und Kultur, nicht nur eine „junge Jüdin“, sondern der erste Mensch einer „Kultur Gottes“ , einer „Zivilisation der göttlichen Liebe“, die von nun an die alte Welt der Sünde und Gottlosigkeit gleichsam absorbieren, umgestalten, vergöttlichen sollte.

Die ganze Menschheit sollte nun in der Gestalt Marias ihre neue erlöste Gestalt erhalten. Es ist eine Urbotschaft der Kirche, dass wir als getaufte Menschen, Christen, nicht mehr nur „Kinder Evas“ sind, also nicht mehr Opfer der Sünde im Paradies und des folgenden weiteren Absturzes der Menschheit (der Erbsünde also), sondern Kinder Marias, der Mutter des Erlösers. Wie Christus Sohn des ewigen Vaters und Sohn Marias ist, so sind auch wir Kinder Gottes und Kinder Marias. In Maria sehen und bejubeln wir die neue Erde Gottes, unsere und aller erlösten Menschen Zukunft.

Die Einzigartigkeit und Universalität Marias

Sie ist eine konkrete Person und gleichzeitig das anziehende Strahlungsfeld, in welchem die ganze Menschheit zur Erlösung gleichsam hingezogen wird und sich dann bei ihr geborgen und zu Gott getragen findet. Sie ist die von Gott niederkommende Stadt, in welcher die erlöste Menschheit vollendet und aufgenommen ist.

Ihre Erhebung in den Himmel ist unsere aller bevorstehende Erhebung in den Himmel! Aber dies verdeutlicht auch unmissverständlich, dass ihre Verehrung niemals die Größe und Absolutheit Gottes verdeckt oder verdunkelt, sondern diese erst voll zum Strahlen bringt: „Hochpreist meine Seele den Herrn!“ So lautet der Lobgesang Marias.

Sie verkündet uns ihre Größe und Würde einzig aus der unendlichen Größe Gottes hervorgehend: „Denn er hat geschaut auf die Niedrigkeit seiner Magd!“ bekennt Maria im gleichen Lied. Je größer und staunenswerter ein Werk ist, umso größer und staunenswerter ist doch sein Autor! Und so ist es erst recht mit Maria: Je größer und herrlicher wir ihre Gestalt und Bedeutung darstellen, umso größer und herrlicher erscheint ihr Schöpfer!! Der Vorwurf, durch Marias Verehrung die Anbetung Gottes zu verdunkeln oder zu beseitigen, zeigt sich als widersprüchlich und wudersinnig.

Dieser Vorwurf widerspricht auch den Tatsachen: Wo Maria verehrt wird, wird auch – und erst recht! – Gott angebetet! Das ist eine einfach erfahrbare Tatsache!

Das Leben Marias nach Pfingsten und ihr Heimgang

Es ist hilfreich und zielführend, die Frage nach der „Himmelfahrt Marias“, genauer gesagt, der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, mit der Beschreibung der Lebensstationen der Muttergottes nach der Himmelfahrt Christi zu verbinden. Denn dabei stoßen wir schließlich auf das Ende ihres Lebens in dieser Welt. Und die Quellen dafür? Für diesen Bereich des Lebens Marias gibt es praktisch keine biblischen Quellen. Aber die außerbiblischen sind untrüglich und konkret greifbar.

Wir können dabei auf vier Stationen blicken:

  1. Die Stätte der Apostel und der Urgemeinde auf dem Zion.
  2. Das Haus Marias in Ephesus
  3. Die Stätte des Apostelkonzils auf dem Zion in Jerusalem.
  4. Die Grabstätte Mariens im Kidrontal in Jerusalem.

Maria im Gemeindezentrum auf dem Zion

Zunächst hat Maria mit den Aposteln und den anderen Frauen und den „Brüdern Jesu“ in der pfingstlichen Urgemeinde, also auf dem Zion in Jerusalem, gelebt.

Am Pfingsttag sehen wir sie in der Mitte der Apostel und der übrigen Gemeinde. Hier wird sie zur Seele der Urgemeinde, in welcher an alles erinnert und alles vergegenwärtigt wird, was Jesus gesprochen und gewirkt hat. Denn Maria hatte alles „bewahrt und erwogen in ihrem Herzen“. Sie ist die Urquelle der Evangelien.

Hier wird Lukas die ganze Kindheitsgeschichte Jesu erfahren und aufgeschrieben haben für das Evangelium. Sie ist beteiligt auch an der Gestaltung des Gemeindenlebens in Gütergemeinschaft, Gebet und dem „Brotbrechen“ (=Eucharistiefeier).Hier, auch mit ihrer Inspiration, wird die erste Ausgestaltung der Eucharistiefeier vorgenommen, damit aus der kleinen, geschlossenrn Abendmahlsfeier die große „Messfeier“ für eine große Gemeinde werden kann.

Hier entfaltet sich die Kirche zu einer hierarchischen Kirche, in der neben dem Amt des obersten Hirten Petrus (des „Papstes“), und den „Säulen“ der Kirche (die Oberapostel Jakobus, Johannes und Andreas) und den übrigen Aposteln nun das Diakonenamt geschaffen wird. Hier ist Maria vor allen anderen heiligen Frauen (Maria Kleopas, Salome, Veronika, Martha und Maria v. Bethanien u. a.) die Mutter und Seele der jungen Gemeinde.

Sie erlebt in den  Freuden und Leiden der Urkirche die Fortsetzung der Freuden und Leiden ihres Sohnes: die höchste Verehrung der Apostel durch das Volk und das stete Wachstum der Kirche – und gleichzeitig die Verfolgung und Einkerkerung der Apostel durch die jüdischen Autoritäten.

Welches Ansehen, welche Verehrung und welche überragende Rolle Maria im Kreise der Apostel genossen hat, wird nirgendwo ausdrücklich und direkt dargestellt. Aber wenn wir die Visionen des Johannes, die er in seiner Apokalypse niedergeschrieben hat, zu Rate ziehen, dann ahnen wir, welches Ansehen die Mutter des Herrn schon immer gehabt hat: sie war für alle die verehrunswürdige Mutter des Herrn und Braut des Heiligen Geistes – das Herz der Kirche!

Nach der Ermordung des Stephanus und der späteren Verfolgung bis zur Ermordung des Jakobus, sind die Apostel, allen voran Petrus, aus Jerusalem geflohen. Und nicht nur Verfolgung trieb sie fort, sonfdern auch der Befehl des Herrn: „Geht hinaus in die ganze Welt…!“ Bei den Beratungen der Apostel und durch die Anregungen des Heiligen Geistes zogen die Apostel hinaus.

Dem Apostel Johannes mit der Mutter Maria fällt die Provinz Asien mit der, Millionrnstadt Ephesus zu. Das war um 34/35 n. Chr. Maria ist über 50 Jahre alt.

Maria in Ephesus

Mit der Entdeckung des Hauses Marias in Ephesus (Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund der Visionen von Anna Katharina Emmerich) , taucht ein wichtiger Mosaikstein für die Beschreibung des Leben der Gottesmutter nach Pfingsten auf.

Dass Jesus vom Kreuz herab seine Mutter dem Lieblingsjünger Johannes anvertraut hatte, ist in der Bibel unzweifelhaft bezeugt. Was aber danach geschah, besonders nach Pfingsten, war bisher unsicher.Nun ist klar: Maria ist mit dem Apostel Johannes nach Flucht bzw. Vertreibung und Aussendung der Apostel aus Jerusalem und gemäß dem Missionsauftrag Jesu tatsächlich nach Ephesus, in die Hauptstadt der römischen Provinz Asien gezogen; dort hat sie zusammen mit Johannes und Magdalena bis zum Jahre 48, also ca.15 Jahre, gelebt und das Wirken das Apostels unterstützt.

Die Entschlafung Marias auf dem Zion in Jerusalem

Dann aber werden  die Apostel nach Jerusalem zusammengerufen, um das in der Apostelgeschichte dargestellte Konzil zu halten, auf dem der Konflikt zwischen Paulus und den Heidenchristen einerseits und Petrus, Jakobus und der Partei der Judenchristen andererseits ausgetragen werden muß. Es endet mit der Befreiung der Kirche aus den Knebeln der jüdischen Reinheitsvorschriften, besonders der Beschneidung. So wird die Expansion der Kirche – besonders durch Paulus – in die Heidenwelt grundgelegt und ermöglicht.

Maria zieht nun also mit Johannes wieder zurück nach Jerusalem. Vergessen wir nicht, dass Maria zu diesem Zeitpunkt etwa 75 Jahre alt gewesen sein dürfte. Welche Strapazen nimmt sie noch auf sich! Sie zieht auf den Zion, um dort im Kreise der Apostel ihr Leben zu vollenden. Es gibt Traditionen, die mutmaßen, dass Maria in Ephesus verstorben ist. Sogar die Visionen von Anna Katharina Emmerich scheinen dies nahezulegen. Doch die Tradition in Jerusalem ist die stärkste und ist von Anfang an ungebrochen.

So berichtet diese Tradition, daß Maria hier auf dem Zion im Kreise der Apostel und der Gemeinde entschlafen ist.  Auf dem Zion wird bis heute in der Krypta der Kirche ihre „Entschlafung“ dargestellt. Die dortige Kirche heißt bis heute „Dormitio Mariae“. (Entschlafung Mariens)

Marias Bestattung und Entrückung

Von der Höhe des Zion geht nun der Zug mit ihrem Leib durch die Altstadt, die Villen der Hohenpriester streifend, der Tempelmauer entlang weiter hinunter ins Kidrontal.

Bei diesem Zug, so berichtet die Legende, hätten sich an manchen Zuschauern Heilungswunder vollzogen –  an anderen Strafgerichte. Der Leichenzug  bewegt sich entlang des Garten Gethsemane zur nahen Begräbninnstätte der Eltern Mariens. Dort wird sie feierich bestattet und das Grab wie üblich mit einem Felsstein verschlossen. Als aber die Apostel und die Gemeinde am dritten Tag das Grab besuchen, ist – wie bei Jesus – der Stein entfernt und das Grab  leer.

Stattdessen finden sich im Grab – so die Legende – wunderbar duftende Rosen und Lilien und andere grüne Kräuter.Damit ist der Grundstein gelegt für die Botschaft von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel.

Maria in den Visionen des Apostels Johannes

Wenn man direkte Berichte über die Aufnahme Mariens in den Himmel in der Heiligen Schrift, etwa in der Apostelgeschichte im Zusammenhang mit dem Berichten über das Apostelkonzil, vermisst, dann können wir umso großartiger in der Apokalypse, dem letzten Buch der Heiligen Schrift, darüber lesen. Jene geheimnisvolle Braut bzw. Frau, von welcher dort geschrieben steht, ist natürlich Maria in ihrer ewigen Vollendung.

Der Seher Johannes, verbannt auf die Insel Patmos, schreibt nieder, was er sieht: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ [Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Und ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab.

Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und Sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und Ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte; dort wird man sie mit Nahrung versorgen, zwölfhundertsechzig Tage lang.] Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr.

Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Gemahl geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihre Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei Ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.

Denn was früher war, ist vergangen. Und er, der auf dem Thron saß, sprach: Seht, ich mache alles neu. Ist damit nicht genug über die Aufnahme Mariens in den Himmel gesagt? Ja, Maria, die auf Erden den Herrn zur Welt gebracht hat, ist auch zum Herrn in den Himmel aufgenommen und ist das große Hoffnungszeichen für alle. Sie ist, wie oben erwähnt, eine konkrete Person und gleichzeitig das große Strahlungsfeld, der Tempel, der sich zur Erde neigt und alle geheiligten Menschen aufnimmt und in welchem Gott alle Gerechten von Not, Leid und Tod befreit.

Das ist es, was wir am Fest der Himmelfahrt Marias feiern. Ein Fest der Zuversicht, der Zuversicht und Vorfreude!

Marias Wirken auf der Erde seit 2000 Jahren

Marias stille, aber wirkmächtige Mutterschaft zu allen Zeiten

Einer der wunderbarsten Aspekte des Glaubens an die Aufnahme Mariens in den Himmel ist die Erfahrung, dass sie – etwas banal gesagt – nicht einfach im Himmel verschwunden ist. In den Visionen des Johannes wird sie als Braut des Lammes und als Frau mit der Sonne bekleidet dargestellt.Sie ist und bleibt dabei Mutter und Gefährtin des Erlösers und vor allem Mutter und treusorgende Freundin von uns Menschen. Sie sorgt sich und kümmert sich um uns.“Da ist ein Himmel, der die Erde umspannt, und unsere Erde wird himmlisches Land,“ singen wir in einem modernen Kirchenlied. Ja, der Himmel umspannt und umarmt uns, besonders in Maria, der Mutter.

Wieviele Heilige, Mystiker/-innen, ja, auch ganz einfache, normale Menschen(!) haben seit den Visionen des Johannes selbst diese wunderbare Erscheinung erlebt. Zu allen Jahrhunderten.Zu allen Zeiten gibt es Berichte von wunderbaren Gebetserhörungen, die man der Muttergottes zuschreibt; von Eingriffen in Lebensgefahr; von Rettung in höchster Not! Und nicht wenige Christen erleben das immer und immer wieder. In wieviel Salz Kirchen hängen Votivtafeln mit Dankbezeugunge! Es ist, als ob Maria immer wieder bei ihrem Sohn vorstellig wird: „Sie haben keinen Wein mehr!“ D. h. sie haben keinen Mut mehr! Sie sind in Not und Leid gefangen… Und ein Wunder geschieht – oft still und unbemerkt, manchmal spektakulär.

Marias spektakuläre Erscheinungen

Und so müssen und sollen wir auch auf die großen Marienerscheinungen aller Jahrhunderte schauen. Wie oft ist sie tatsächlich als das große Zeichen am Himmel erschienen, als die Helferin für Völker, Nationen, ja die ganze Welt! Die Erscheinungen sind gerade in den letzten 500 Jahren ganz außergewöhnlich: 1531 Guadalupe, Mexiko. 1858 Lourdes, Frankreich. 1917 Fatima, Portugal. 1937 Heede, Deutschland. 1981 Medjugorje, Bosnien. Und dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Geschehen, das bei näherer Betrachtung die ganze Welt umspannt.

Die Termine der Marienfeste und des Festes der Himmelfahrt

Es ist sicherlich noch interessant, einen Blick auf die Feste Mariens und deren Termine zu werfen. Nehmen wir hier nur einige wenige.

Warum ist die Verkündigung Mariens am 25. März? Warum ist Mariä Lichtmess am 2. Februar? Warum wird Mariä Geburt am 8. September gefeiert? Und warum ist Mariä Himmelfahrt am 15. August?

Vorweg gesagt: Diese Termine sind nicht dadurch entstanden, dass man weiß, wann diese Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. Das Geburtsdatum Christi zum Beispiel ist uns nirgendwo genau überliefert. Wie kommen also diese Daten zustande?

Bei der Verkündigung Mariens ist es einfach: Das ist genau neun Monate vor der Geburt Christi, dem 25. Dezember. Und dieser Termin wurde übernommen, weil in Rom schon immer das Hochfest der Winter-Sonnenwende an diesem Tag gefeiert wurde.

Und dementsprechend ist Mariä Lichtmess am 2. Februar, genau 40 Tage danach, gemäß dem biblischen Bericht.

Mariä Geburt wird am 8. September gefeiert, an dem Tag, als in Jerusalem die Annakirche eingeweiht wurde, wo sie geboren wurde. Und dementsprechend wird am 8. Dezember, neun Monate vorher, das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens gefeiert.

Aber wie kommt man auf den 15. August für Mariä Himmelfahrt? Dieses Datum zeugt zunächst davon, dass dieses Fest eines der frühesten Marienfeste der Kirche ist. Denn das Datum wird übernommen vom Hochfest des Kaisers Augustus, der diesem Monat 1. seinen Namen gegeben hat und 2. in der Mitte dieses Monats, den „Iden“, das Fest der „Pax Romana“, des universalen Friedens des Augustus-Zeitalters, gefeiert hat.

Wie Weihnachten, das Geburtsfest Christi, auf das alte Naturfest des „Sol Invictus“ (der Wintersonnenwende) gelegt wurde, um damit Christus als die unbesiegte Sonne zu verkündigen, so wurde das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel auf das Friedensfest des Hochsommers gelegt und damit verkündet, dass Maria den wahren Universalen Frieden im Reich Gottes personifiziert.

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