Die Firmung: Das Sakrament des Heiligen Geistes

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Wir sollen uns immer an das erinnern, was damals, nach Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu am 50. Tag, dem Pfingsttag, geschah: wie plötzlich an diesem Tag durch Sturm, Gewitter und Wetterdräuen die verschiedenen Völkerscharen, die zum Pfingstfest in Jerusalem versammelt waren, herbeiströmten; wie dann der Heilige Geist in Gestalt von Feuerzungen auf die Apostel herabkam; wie aus verängstigten, in ihrem Rückzugsräumen verbarrikadierten Aposteln mutige Prediger wurden; wie sie die Gabe empfingen, in fremden Sprachen zu reden, so dass sie von all den Menschen verschiedenster Sprachen und Völker draußen verstanden wurden; wie durch die Predigt des Petrus 3000 Menschen mit einem Schlage die Taufe empfingen und so schon an diesem Tag aus der kleinen Schar der Apostel mit den 120 Gläubigen schon eine Weltkirche aus vielen Völkern wurde.

Das alles müssen wir immer wieder vor Augen haben, wenn wir über die Firmung sprechen. Denn dies ist der Ursprung und die Wirkung der Firmung.

Was nach Pfingsten geschah

Pfingsten war nicht nur ein spektakuläres Sonderereignis. Es war die bahnbrechende Auftaktveranstaltung für die Wende der ganzen Welt. Keine Abschlussveranstaltung, sondern eine Aufbruchveranstaltung. Sehen wir nur, was im nun anbrechenden ersten Jahrhundert danach geschah: Die Apostel zogen in die gesamte damals bekannte Welt, in alle Teile des römischen Reiches und darüber hinaus, um den Auftrag Jesu zu erfüllen, den er bei der Himmelfahrt den Aposteln geboten hatte: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden. Wer nicht glaubt, wird verdammt werden!“

Und sie zogen hinaus, wie vom Sturm des Geistes ganz neu erfasst: Nach Syrien und Arabien, nach Nordafrika und Südrussland, nach Kleinasien (die heutige Türkei) und Armenien; nach Griechenland, Italien und Spanien, ja bis nach Pakistan, Persien und sogar nach Südindien. Und für diese Verkündigung gaben sie ihr Leben und überzeugten durch ihre Märtyrien die Wahrheit und Unerschütterlichkeit dieser Botschaft Christi.

So rüttelten sie an den Grundfesten des damals größten und stabilsten Reiches der Weltgeschichte, dem tausendjährigen römischen Weltreich, und veränderten die Geschichte. Besonders folgenreich wurde die Hinrichtung der Apostel Petrus und Paulus und einer ungeheuren Menge von Christen in Rom durch Kaiser Nero. Nun wurde Rom, das Zentrum des Römischen Reiches, auch das Zentrum der nun sich festigenden Weltkirche.

Und es ging weiter

Unglaublich viele Menschen in allen Teilen des Reiches empfingen durch die Predigt der Apostel die Kraft des Heiligen Geistes und waren bereit, als Märtyrer für dieses neu empfangene göttliche Leben zu sterben, um so das ewige Reich Gottes zu erlangen. Stellvertretend für eine unzählige Schar von Märtyrern dieser ersten drei Jahrhunderte seien nur diese genannt: Ignatius von Antiochien, Polycarp von Smyrna, Perpetua und Felicitas; Cäcilia, Agatha und Agnes; Laurentius und Vincentius, Sebastian, Katharina von Alexandria und die 49 Christen von Abitene.

Von vielen dieser Martyrien gibt es eindrucksvolle Schilderungen und es ist sehr ergreifend, solche zu lesen. (Ich werde einige davon in unsere Homepage stellen: cjcmalgarten.net – Glaubensforum)

Die Wirkung des Heiligen Geistes

Und so geschah das Unglaubliche: Nach 300 Jahren der Verfolgung wandelte sich das gesamte heidnische Römische Reich in ein christliches: Das Weltreich Roms wurde katholisch! Und das Antlitz der Erde wandelte sich sichtbar. Statt Jerusalem wurde Rom das Zentrum des Christentums. Statt heidnischer Kaiser rückte das Papstamt zur höchsten Autorität auf und machte seit dem Jahre 800, als zum ersten Mal der fränkische König Karl zum Kaiser gekrönt wurde, über einen Zeitraum von 1000 Jahren katholische Könige zu Kaisern, welchen die Aufgabe zufiel, die Völker in Europa in Frieden zusammenzuhalten und die Kirche vor Unrecht und Gewalt zu schützen. So entstand ein neues tausendjähriges Reich: Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ das erst 1805 unter den Revolutionsheeren Napoleons unterging.

So hat wahrhaftig der Heilige Geist seit jenem sensationellen Pfingsttag in Jerusalem die Geschichte geprägt und das Antlitz der Erde erneuert. Und dies geschah nicht durch Legionen von Soldaten wie im alten Rom, sondern durch tausende und abertausende von Menschen, die, vom Geist Christi ergriffen, das neue, höchste Gebot des Herrn befolgten: Gott, den wahren, dreifaltigen, den Vater, Sohn und Heiligen Geist, zu lieben von ganzem Herzen und mit allen Kräften und den Nächsten zu lieben wie sich selbst.

Der Gebetsruf der Christenheit

„Sende aus deinem Geist und das Antlitz der Erde wird neu!“ Dieser Gebetsruf der Christenheit ist wahr und hat sich bewahrheitet, und bewahrheitet sich auch in Zukunft. So sollen zu allen Zeiten die Christen den Heiligen Geist empfangen, um die Wahrheit und Liebe Christi zu bezeugen und auszustrahlen und mitzuwirken an einer Zivilisation der Liebe. Wie unendlich wichtig dies in unserer Zeit ist, zeigen die schrecklichen Konflikte zwischen den Menschen im Kleinen und im Großen; zeigen besonders die grausamen Kriege; zeigen auch die Elendsregionen der Erde.

Firmung

Der Heilige Geist wird weitergegeben und strahlt ungebrochen weiter aus

Die Apostel haben am Pfingsttag den Heiligen Geist empfangen. Christus, der am Himmelfahrtstag heimgekehrt war zu seinem Vater im Himmel, nachdem er sein Werk auf Erden vollendet hatte, hat die Vollkraft des Gottgeistes auf sie herabgesandt, um sein Werk nun in aller Welt auszubreiten und zu vollenden und allen Menschen sein Heil zu schenken, nämlich die Erlösung von Schuld und Sünde und Rettung aus dem Tod. So hat er allen Menschen durch Glaube und Taufe die Neugeburt zum ewigen Leben geschenkt.

Aber Gott will dieses neue Leben nicht als ein nur „Dahinleben“ schenken, er will es auch „be-geistern“! Er will es zu einem kraftvollen Geistesleben erheben. Christen müssen immer, wie es die Apostel und die Christen von Anfang an gezeigt haben, besonders die Märtyrer der ersten Jahrhunderte, Zeugen und Missionare sein, um ihr persönliches Leben, ihre direkte Lebenswelt, ja die Menschheit, im Geiste Christi zu gestalten und zu erneuern! Getaufte müssen gefirmt werden: Sie müssen stark und ausstrahlend sein! So wird die Taufe vollendet. Sonst ist sie wie tot.

Die Tragödie der „leblosen Taufe“

Ach, wie traurig endet oft die Taufe! Christus hat uns im Gleichnis vom Sämann eine zu Herzen gehende Botschaft geschenkt: Der Sämann geht aus, um zu säen. Dabei fällt mancher Samen auf hartes Gestein und geht nicht auf. Mancher fällt auf die Wege und die Raubvögel fressen alles weg. Mancher Samen fällt unter das Unkraut und wird erstickt. Mancher fällt auf leichten Boden und geht kurz auf, kann aber nicht wachsen und reifen, weil er keine Wurzeln schlagen kann. Nur ein Teil des Samens fällt auf guten Boden und geht auf und bringt vielfältige Frucht.

Das ist ein Gleichnis auch für die Taufe. Wie viele Menschen werden getauft, aber die Taufgnade wird nicht lebendig: Sie fällt auf Steinboden, sodass böse und gottlose Menschen wie Raubvögel kommen und alles wegfressen; oder sie wird von Disteln, Dornen und Unkraut des Unglaubens, der Spaßkultur, der Gottlosigkeit, des feindlichen Zeitgeistes erstickt. Wie dringend notwendig ist es, dass die kleinen Keimlinge gut geschützt werden; dass Unkraut entfernt wird; dass die aufgehenden Pflanzen auch gute Witterung erfahren und vor allen Dingen gut gedüngt werden!

Das alles soll durch die Firmung geschehen, durch die der Christ besonders den sicheren Zugang zu den übrigen starken und lebensspendenden Hilfen bekommt: dass der Boden und das Umfeld gedeihlich ist in einer aktiven kirchlichen Gemeinschaft, in einer gläubigen Ehe und Familie – und vor allem durch die heiligen und heiligenden Sakramente; dass er diese mit voller Überzeugung annimmt, damit sie überhaupt wirksam werden können, besonders die Sakramente der Buße/Beichte und der sonn- und feiertäglichen Messfeier mit dem Empfang der Eucharistie. Ja, die christliche Feier des Sonntags ist der beste Boden und das gedeihlichste Klima. Wenn auch alle anderen Bedingungen feindlich sind: die treue Mitfeier des Sonntags, der Empfang der heiligen Kommunion und des Beichtsakraments ist der beste und fruchtbarste Boden, der alles andere ersetzen und allem widerstehen kann.

Nur so kann die Taufe ihre ganze Heils- und Rettungskraft entfalten! Sonst bleibt sie leblos wie ein Samenkorn im unfruchtbaren Sand, das sogar abstirbt.

Die Firmung: Der Heilige Geist errichtet und gestaltet die Kirche

Die große Bedeutung der Firmung wird besonders dadurch hervorgehoben, dass sie durch den Bischof, den direkten Nachfolger der Apostel, gespendet wird. (Nur in Ausnahmefällen wird sie auch durch einen eigens vom Bischof beauftragten Priester gespendet: wenn der Bischof verhindert ist oder bei einer einzelnen Erwachsenentaufe.) Dadurch zeigt sich ihre große Bedeutung für das Leben der Kirche. Die Firmung ist ein einzigartiges, ausdrücklich apostolisches Sakrament, das in der Regel einem jungen Menschen nach guter Vorbereitung und reifer Entscheidung durch den Bischof gespendet wird. Besonders wenn in der Regel Babys sofort nach ihrer Geburt getauft werden, ist es heilsam und segensreich, wenn die Christen im Jugendalter gerufen werden und sich rufen lassen; dass sie sich für den Empfang des Firmsakramentes entscheiden und so den guten Samen der Taufe kräftigen lassen, um gute Früchte hervorzubringen.

Jeder Christ empfängt seine besondere Berufung, die durch die Firmung entscheidend gefördert wird. Jeder Christ soll dadurch erkennen, wie er in seinem Leben seine spezielle Berufung leben kann. Es gibt die ganz großen und besonderen Berufungen: Die Berufung zum Priester- oder Ordensleben. Auch diese Frage sollte sich jeder Christ vom Heiligen Geist stellen lassen. Auch die Berufung zur sakramentalen Ehe und zur Bildung einer christlichen Familie bedeutet eine große Herausforderung. Gerade heute ist diese Berufung von tiefer Bedeutung – persönlich und für die Kirche.

Aber auch als Einzelner in der Kirche soll jeder seine besondere Aufgabe und Berufung erkennen: im bewusst und engagiert christlich gestalteten Berufsleben, im Dienst für hilfsbedürftige Mitmenschen, für Caritas oder Gemeinde. Für Unverheiratete tut sich ein weites und tiefgreifendes Feld der Berufung auf.

Die Salbung mit dem Heiligen Geist

Die Bedeutung der Firmfeier

Die Firmfeier soll in den jeweiligen Gemeinden ein ganz besonderes Fest sein. Der Bischof als direkter Nachfolger der Apostel, der Träger der pfingstlichen Geistesfülle, kommt in die Gemeinde und ausdrücklich zu den jungen Menschen! In der feierlich gestalteten heiligen Meßfeier wird der Bischof durch eine herzliche Predigt die Firmlinge, ihre Paten und die ganze Gemeinde besonders ansprechen.

Ablauf der Firmung

Die Vorbereitung und Anrufung

Die Firmung beginnt mit den vorbereiteten jungen Menschen, Mädchen und Jungen, die einzeln mit Namen gerufen und vor dem Bischof stehen. Der Bischof stellt dann die Glaubensfragen: Ob sie dem Glauben, den sie schon bei der Taufe empfangen und durch die Hinführung zur heiligen Kommunion bestätigt haben, nun auch als junge Erwachsene die Treue halten wollen. Alle werden zum Bekenntnis ihres Glaubens an Gott gerufen: An den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, sowie an die heilige, katholische und apostolische Kirche.

Innerliche Vorbereitung

Nun knien alle nieder und verweilen in Stille, um sich innerlich auf den Augenblick des Empfangs des Heiligen Geistes vorzubereiten und ihm Herz, Seele und Gemüt zu öffnen. Der Bischof lädt dann zum Gebet ein, breitet seine Hände über alle Firmlinge aus und erfleht die sieben Gaben des Heiligen Geistes.

Die wesentlichen Riten der Firmung

Handauflegung und Chrisamsalbung

Jeder Firmling tritt einzeln vor den Bischof; der Firmpate oder die Firmpatin stellt sich dahinter auf, legt seine/ihre Hand auf seine/ihre Schulter und nennt dem Bischof den Namen des Firmlings. Nun legt der Bischof in einer kurzen Stille seine Hände auf den Kopf des Firmlings. Das ist die von den Aposteln gegebene Form der Handauflegung zur Übertragung des Heiligen Geistes.

Der Bischof taucht nun seinen rechten Daumen in das bereitgehaltene Chrisam-Öl und bezeichnet damit die Stirn des Firmlings mit einem Kreuz. Dabei spricht er: „N., sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist“. Der Gefirmte antwortet: „Amen“. Der Bischof reicht ihm die Hand oder legt sie auf seiner Schulter und gibt ihm den Friedensgruß: „Der Friede sei mit dir“.

Fortsetzung der Messe und Abschluss

Mit den Fürbitten wird sodann die heilige Meßfeier fortgesetzt und im Anschluß eine freundschaftliche Begegnung gestaltet. Die Firmlinge werden dann zum Abschluß in ihren Familien ein Festessen halten.

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