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ToggleDas Prinzip „Schrift und Tradition“
Die Entstehung und Komplexität der Bibel werfen die Frage auf, wie ein solches Buch überhaupt entstanden ist. Ein Buch mit solcher Universalität sowohl in historischen Berichten als auch inhaltlicher Botschaft ist ein literarisches Wunder. Die Antwort auf die Frage, wer dieses Wunder vollbracht hat, kann nur lauten: Gott selbst, der Heilige Geist. Doch die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen, sondern von Menschen verfasst und zusammengestellt worden. Die heilige Tradition erklärt, was Heilige Schrift ist, denn die Bibel selbst gibt darüber keine Auskunft. Im Gegensatz zur protestantischen Lehre von „Sola Scriptura“ hält die Kirche an „Schrift und Tradition“ als untrennbare Einheit fest. Denn die Bibel erklärt sich nicht von selbst; sie ist das Produkt von Tradition.
Die Quellen der Heiligen Schrift
Im Alten Testament herrscht oft Klarheit über die Autorität der Schriften, während für das Neue Testament, insbesondere die Evangelien, eine umfassendere Untersuchung notwendig ist.
Die literarische Eigenart der Evangelien
Im Alten Testament gibt es eine Vielzahl literarischer Formen, von Mythen und Legenden bis hin zu konkreter historischer Geschichtsschreibung. Die Evangelien hingegen sind eindeutige Darstellungen tatsächlich geschehener Ereignisse. Sie sind keine Theorie, sondern Fakten- und Ereignisdarstellungen. Jedes Wunder, jede Predigt, jedes Gleichnis Jesu findet an einem realen Ort und zu einer konkreten Zeit statt. Der christliche Glaube beruht somit auf Fakten und Ereignissen, nicht auf Philosophie oder Theorie. Die Auferstehungsbotschaft des Christentums basiert auf dem Faktum der Auferstehung Jesu Christi. Die Frage nach der Wahrheit der Evangelien ist von entscheidender Bedeutung für den christlichen Glauben und muss sorgfältig untersucht werden.
Die Evangelien und ihre Glaubwürdigkeit
Die Autoren der Evangelien
Die Evangelien sind Berichte über das Leben und Wirken Jesu Christi, und ihre Glaubwürdigkeit steht im Zentrum des christlichen Glaubens. Doch wer sind die Menschen hinter diesen Berichten? Sie sind die unmittelbaren Zeugen der Ereignisse, die sie niedergeschrieben haben.
Matthäus: Der Zöllner und Jünger Jesu
Matthäus, ein Zöllner aus Kapharnaum am See von Galiläa, war einer der engsten Jünger Jesu. Er wurde von Jesus selbst berufen und begleitete ihn während seines öffentlichen Dienstes. Sein Evangelium richtete sich vor allem an das jüdische Volk und sollte ihnen die Erfüllung der messianischen Prophezeiungen in Jesus nahebringen. Nach dem Tod Jesu soll Matthäus in Afrika missioniert haben und dort für seinen Glauben gelitten haben.
Markus: Der Schreiber des Petrus
Markus, auch bekannt als Johannes Markus, war ein Schriftsteller aus Jerusalem. Er wurde durch die Predigt des Apostels Petrus zum Christentum bekehrt und begleitete später sowohl Petrus als auch Paulus auf ihren Reisen. Sein Evangelium, das auf Bitten der römischen Gemeinde verfasst wurde, ist das kürzeste der vier Evangelien. Markus wurde nach dem Brand Roms der erste Bischof von Alexandria.
Lukas: Der Arzt und Schriftsteller
Lukas stammte aus Antiochien und war ein Arzt, der später zum christlichen Glauben übertrat. Er begleitete den Apostel Paulus auf seinen Missionsreisen und schrieb die Apostelgeschichte sowie das umfangreichste der Evangelien. Lukas hatte zwar Jesus nicht persönlich erlebt, aber seine Begabung als Schriftsteller ermöglichte es ihm, detaillierte Berichte über das Leben Jesu zu verfassen. Sein Evangelium enthält unter anderem die ausführlichste Kindheitsgeschichte Jesu und das Loblied Marias, das „Magnifikat“.
Johannes: Der Seher und Apostel
Johannes war einer der engsten Jünger Jesu und wurde später auf die Insel Patmos verbannt, wo er das Buch der Offenbarung schrieb. Sein Evangelium zeichnet sich durch eine tiefe theologische Reflexion aus und betont die göttliche Natur Jesu. Johannes ist besonders bekannt für seine Darstellung der Eucharistie und des „Brots des Lebens“. Er starb als Patriarch von Ephesus im hohen Alter von über 100 Jahren.
Die Bedeutung der Evangelien
Die Evangelien bieten nicht nur historische Berichte über das Leben Jesu, sondern sind auch grundlegend für den christlichen Glauben. Sie geben Einblicke in die Lehren, Wunder und die Persönlichkeit Jesu Christi und dienen als Grundlage für die Verkündigung und Lehre in der Kirche.
In den Evangelien spiegeln sich die Vielfalt der Erfahrungen und Persönlichkeiten der Autoren wider, und doch vereinen sie sich in ihrem gemeinsamen Zeugnis von Jesus Christus als dem Sohn Gottes und Erlöser der Welt.
Die Auswahl der Evangelien
Die Evangelien bieten uns ein einzigartiges Fenster in das Leben Jesu Christi. Doch warum wurden aus den zahlreichen Aufzeichnungen über Jesus ausgerechnet diese vier Evangelien ausgewählt? Und wie können wir sicher sein, dass sie ein vollständiges und fehlerfreies Bild von Jesu Leben und Botschaft vermitteln?
Die Rolle der Kirche
Schon seit der Zeit Jesu und in den darauf folgenden Jahren existierten zahlreiche Aufzeichnungen über sein Leben. Einige dieser Schriften sind in den sogenannten „apokryphen Evangelien“ erhalten geblieben. Jedoch hat die Kirche unter der Führung des Heiligen Geistes entschieden, dass die vier Evangelien, die wir heute kennen, das vollständigste und irrtumsfreieste Bild von Jesu Leben vermitteln. Diese Auswahl ist das Ergebnis einer sorgfältigen Prüfung und Inspiration durch den Heiligen Geist.
Die Autorenschaft und Verantwortung
Es ist bekannt, dass nicht jeder Satz und Abschnitt der Evangelien von den ihnen zugeschriebenen Autoren stammt. Dennoch haben diese Autoren die Verantwortung für den Inhalt übernommen. Die Kirche betont dies, indem sie bei jeder Lesung aus dem Evangelium darauf hinweist, dass es „nach“ Matthäus oder Lukas ist, nicht „von“ ihnen. Letztendlich sind die Evangelien jedoch das Wort Gottes, das durch menschliche Schreiber, inspiriert vom Heiligen Geist, niedergeschrieben wurde.
Die Suche nach den Originalen
Eine wichtige Frage, die sich stellt, ist, ob die heutige Bibel tatsächlich den Originaltexten entspricht. Doch wo sind diese Originale? Die traurige Wahrheit ist, dass es keine Originale gibt. Im Laufe der Geschichte sind die Urschriften verloren gegangen. Kriege, Verfolgungen und Katastrophen haben dazu geführt, dass nur wenige Fragmente erhalten blieben, die biblische Forscher entdeckt haben. Daher können wir die heutigen Schriften nicht mit den Originalen vergleichen.
Die Überlieferungsgeschichte
Trotz des Fehlens der Originale gibt es ausreichende Überlieferungen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Insbesondere ab dem 4. bis 6. Jahrhundert wurden vollständige Bibeln in den Klöstern des Mittelmeerraums verbreitet. Interessanterweise weisen diese Bibeln trotz ihrer unterschiedlichen regionalen Traditionen erstaunliche textliche Übereinstimmungen auf. Etwa 98% des Textes stimmen überein, und Abweichungen betreffen oft unbedeutende Lesarten.
Die Vulgata
Schließlich schuf der heilige Hieronymus im 4. Jahrhundert die „Vulgata“, eine lateinische Übersetzung der Bibel. Diese wurde zur Grundlage für viele weitere Bibelausgaben.
Die Wahrheit der Urschriften
Abschließend stellt sich die Frage nach der Wahrheit der Urschriften. Konnten die Autoren wirklich die Wahrheit über das Leben und die Wunder Jesu beschreiben? Die vielen Wunderberichte könnten skeptische Fragen aufwerfen. Doch die Verbreitung der Botschaft Jesu wäre unmöglich gewesen, wenn sie nicht auf wahren Ereignissen beruht hätte. Trotz möglicher Zweifel bleiben die Evangelien als originalgetreue und inspirierte Berichte über das Leben Jesu von entscheidender Bedeutung.
Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin Anton Behrens, geboren am 1. November 1943 in Börgerwald. Seit meiner Priesterweihe 1969 habe ich vielfältige Aufgaben in der Kirche übernommen, wobei mein besonderes Engagement der Jugendpastoral gilt. Meine Arbeit begann in Meppen und führte mich über Neuenkirchen/Bramsche, wo ich maßgeblich an der Gründung der Communität junger Christen (CJC) beteiligt war, weiter nach Hollage und Bramsche. Nach einer Zwischenstation als Krankenhaus-Seelsorger war ich von 2000 bis 2010 Pfarrer in Malgarten und Bramsche. Seit 2010 konzentriere ich mich auf die Seelsorge und die Arbeit mit der CJC, um Menschen aller Generationen zu begleiten.
Mit herzlichen Grüßen,
Anton Behrens

