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TogglePlötzlich andere Friedhöfe
Veränderungen in der Bestattungskultur
- Urnen-Bestattungen haben in ungeahntem Maße zugenommen
- Waldbestattungen sind immer populärer geworden
- Neue Formen des Gedenkens etablieren sich
Beispiele moderner Friedhofsgestaltung
| Traditionelle Form | Moderne Form |
|---|---|
| Sichtbare Gräber mit Gedenksteinen | Glasflächen mit versenkten Gedenksteinen |
| Gepflegte Gräber | Verwahrlos wirkende Grabstätten |
| Kirchliche Bestattungen | Unsichtbare Gräber am Baum im Wald |
Veränderungen bei den Begräbnisfeiern
- Finden oft nur noch „in aller Stille“ statt
- Beschränkung auf den „engsten Kreis“ der Angehörigen
- Zeitungsanzeigen vermerken häufig, dass das Begräbnis bereits stattgefunden hat
- Bemühen um möglichst kurze und aufwandsarme Durchführung
Was sagt uns das alles?
Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung
1. Verdrängung des Todes
- Die Menschen sind sehr stark daran interessiert, den Tod möglichst zu verdrängen
- Dies gilt auch für die Bestattung und das Grab
2. Entfremdung vom kirchlich-christlichen Leben
- Große Teile der Bevölkerung sind dem kirchlich-christlichen Leben entfremdet
- Der Glaube an die Auferstehung ist verdunstet
- An dessen Stelle tritt ein alt-heidnischer Naturglaube
- „Auferstehung in Bäumen“ ist ein beliebtes Motiv
Das Gedenken ist unauslöschlich
Dennoch ist es ein tiefmenschliches Bedürfnis, die verstorbenen Mitmenschen, besonders Nahestehenden, in irgendeiner Weise zu vergegenwärtigen.
Die Bedeutung des Grabes
- Schmerz des Verlustes ohne Grab: Wie bitter ist es, wenn ein Nahestehender durch Unglück oder Krieg einsam stirbt und einfach verschwindet
- Notwendigkeit der Würdigung: Wo Verstorbene nicht würdig bestattet und ihrer nicht würdig gedacht wird, ist die Achtung und Würde des Menschen selbst zerstört
- Kulturelle Bedeutung: Die Begräbnisstätten sind für die ganze Geschichte der Menschheit und der Bewertung ihrer Kultur von größter Bedeutung
Eine Gesellschaft ohne Totengedenken ist eine tote Gesellschaft.
Die christliche Sterbebegleitung
Sterben ist allgegenwärtig
- Jeder Mensch stirbt
- Jeder Mensch ist immer wieder mit dem Sterben von Mitmenschen konfrontiert
- Jeder Mensch wird mit seinem eigenen Tod konfrontiert sein
Die Natur des Sterbens
Gleichzeitig ist Sterben gewiss das:
- Erschütterndste im Leben
- Geheimnisvollste im Leben
- Erhabenste im Leben
Niemand kann es vorher „üben“ oder „proben“. Es ist einmalig und endgültig. Und es ist unumgänglich.
Der Tod als Abgrund
Es ist der bodenlose Abgrund, in dem jegliche Kraft des Widerstandes und der Selbstbestimmung vollkommen erlischt.
Der Tod raubt alles:
- Was wir erlebt oder erlitten haben
- Was wir erworben oder empfangen haben
- Was wir sind oder sein wollen
Er bedeutet den Absturz in eine Nacht, die kein Ufer kennt.
Die Perspektive ohne Gott
Das Leben ohne Glauben
Für jeden Menschen, der keinen Gott kennt:
- Das Leben ist am Ende ein Fluch, den niemand löschen kann
- Ohne Gott (ohne eine Macht, die stärker ist als der Tod) ist das Leben tatsächlich ein sinnloser Fluch
Die Erhabenheit des christlichen Sterbens
Die Veränderung durch Gott
Vor diesem Hintergrund kann sich vor unseren Augen die wahre Größe und Erhabenheit des Sterbens mit Gott entfalten: mit dem wahren Gott!
Gottes Eigenschaften:
- Allmächtiger
- Ewig-Lebendiger
- Todesmächtiger
- Unendlich Herrlicher
Mit ihm ändert sich alles. Der Absturz ist nun das Sich-Hineinwerfen, das Sich-Fallen-Lassen in die Arme dieses Allmächtigen und Rettenden, den wir sogar „ewiger-Vater“ nennen dürfen.
Die Herausforderung des Glaubens
Die zentrale Frage
Aber wie kommen wir Menschen zu dieser Gewissheit?
Hindernisse auf dem Glaubensweg:
- Gottferne bedrängt uns unser Leben lang
- Blindheit für alles Göttliche und Übernatürliche umnebelt uns
- Das Gift der Schlange hat uns seit dem Sündenfall im Paradies betört
- Macht uns selbst zu „Gott“
- Lässt uns vor dem wahren Gott fliehen
Der dramatische Kampf
So wird Sterben nun zu einem dramatischen Kampf um Leben und Tod
Nur wer:
- Den wahren Gott des Lebens annimmt
- Sich diesem anvertraut
Kann durch den Tod ins Leben gehen.
Wie dramatisch oder gar tragisch kann dieser Kampf um den Glauben; um den Sieg über Unglauben und satanische Verführung sein!
Die Rolle des Teufels
Vergessen wir nicht: das ganze Leben lang kämpft der Teufel, die giftige Schlange, um jede Seele – und beim Sterben steigert er seine Wut und Verführung noch ins Übermaß.
Der Beistand der Gläubigen
Die Aufgabe der Gemeinschaft
So sollen die Gläubigen ihren Sterbenden mit Gebet und Glaubenstreue zur Seite stehen, um ihm mit dem Herrn und seinen Engeln zum Sieg zu geleiten.
Die Wirkung der Gebete:
- Hilfreich und tröstend am Sterbelager
- Gnadenvoll auch für die begleitenden Gläubigen
Die Rolle des Priesters
Und vor allem helfen sie dadurch, daß sie den Priester Jesu Christi rufen, der dem Sterbenden die Sakramente alle Nähe und Kraft Jesu Christi zukommen lässt:
Die Sakramente:
- Sündenvergebung durch Priester
- Heilige Eucharistie spenden
- Salbung mit heiligem Öl
- Schenkt todesüberwindende Kraft
- Hilft beim Übergang durch das „finstere Tal“
- Führt zum Ufer des ewigen Lichtes
Die Wirkung:
- Alle Mängel und Vergehen des Lebens werden ausgelöscht
- Schwerkranke, Sterbende werden in die Feier des Heiligen Meßopfers hineingenommen
- Die ganze rettende Erlösungskraft Christi wird zugewendet
- Die Macht des Verführers und Verderbers wird gebrochen
So ist Christus, der wahre Hirte, die machtvolle und rettende Sterbebegleitung, der die Seele des Menschen wie ein verlorenes Schaf auf seinen Schultern heimträgt.
Die christliche Bestattung
Die Würde des Leibes
Ist nun der Leib nur noch eine entseelte Materie? Wie grauenvoll ist es, wenn wir sehen, wie etwa nach Massenerschießungen die Leichname geradezu wie Restmüll in einem Massengrab von Bulldozern verschüttet werden.
Nein, der Leib eines Menschen behält seine Würde über den Tod hinaus.
Das Begräbnis Christi als Vorbild
Den Umgang mit dem menschlichen Leib nach dem Tod werden die Christen immer am Begräbnis Christi orientieren.
Die würdevolle Behandlung Christi
Obwohl sein Tod schmachvoll, entwürdigend und brutal war, wurde Christus in aller Würde behandelt:
Die Behandlung des Leibes:
Hochachtung beim Abnehmen vom Kreuz
- Wurde als höchst ehrenvoller Leib behandelt
- Nichts sollte ihn noch entstellen
Schonung des Leibes
- Wurde nicht „zerschlagen“
- Kein Knochen wurde gebrochen (anders als bei den Verbrechern)
Ehre statt Beseitigung
- Wurde nicht „beseitigt“ oder verscharrt
- Sondern gereinigt und gesalbt
- Unvorstellbar, ihn gar verbrennen zu wollen!
Fürsorge und Liebe
- Wurde in die Arme und den Schoß seiner Mutter gelegt
- Als geliebter Sohn geehrt
Vorbereitung auf die Auferstehung
- Wurde gesalbt und zur Auferstehung bereitet
- Auch wenn man sich diese noch nicht konkret vorstellen konnte
Würdiges Grab
- Wurde in einem neuen Grab beigesetzt
- Nicht in einer Gruft, die schon von anderen Leichnamen belegt war
Ehrende Einhüllung
- Wurde mit kostbaren Tüchern eingehüllt
- Der ganze Leib und besonders das Gesicht (vgl. Turiner Grabtuch und Tuch von Manupello)
Der Leib: kein seelenloser „Überrest“
Das alles soll uns noch einmal zwei Dinge vor Augen führen:
1. Der Leib als Heiligtum
Der Leib Jesu ist nach und durch seinen Tod ein Heiligtum:
- Vom Heiligen Geist empfangen
- Von der Jungfrau Maria geboren
- Hat sich für uns Menschen geopfert
- Hat alle Strapazen und Erniedrigungen auf sich genommen
- Zuletzt die unsäglichen Leiden seiner Verfolgung und Hinrichtung
Er ist würdig wie ein Held, alle Ehre zu empfangen. Er ist nicht ein Stück entseeltes Fleisch, nicht Staub, nicht Erde – sondern Zeugnis und Vergegenwärtigung seines Lebens.
2. Der Leib als Ort des ewigen Lebens
Der Leib ist nicht nur ein Heiligtum, weil der Heilige selbst darin gelebt hat, sondern vor allem deswegen, weil darin der Heilige selbst für immer lebt.
Dieser Leib ruht, schläft, um aufzuerstehen: um nun in der Nacht des 7. Tages die Schöpfung zu vollenden, indem er zu einer neuen Schöpfung verwandelt wird.
Der Leib, der ins Grab gelegt wird, ist der Leib, der die Verwandlung zur Auferstehung an sich erfährt und ewig in Herrlichkeit lebt.
Die christliche Bestattung in der Praxis
So haben Christen zu allen Zeiten ihre Verstorbenen geehrt.
Die Aufbahrung
Der Leib wird würdevoll aufgebahrt:
- In einem Sarg
- In einem würdigen Raum
- Wird, wenn der Zustand erlaubt, noch offen gelassen
- Damit jeder ihm noch besonders verbunden und nahe sein kann
- Jeder kann Abschied nehmen
Die Totenwache
In den Tagen bis zur Grablegung:
- Versammlung zum Halten der „Totenwache“
- Zeugnis für die Erwartung der einstigen Auferstehung
- Der Sarg wird mit Kränzen und Blumengebinden umstellt
- Schafft eine liebevolle und trostvolle Atmosphäre
- Bringt den Glauben an die Auferstehung sinnfällig zum Ausdruck
Die Feier des Seelennamtes
Am Tag des Begräbnisses versammeln sich:
- Die gläubigen Angehörigen
- Freundinnen und Freunde
- Wegbegleiter
Die Bedeutung der Eucharistiefeier
In dieser Eucharistiefeier:
- Vereinen sie sich mit Leib und Seele des Verstorbenen
- Im gegenwärtigen Erlösungs-Opfer Christi
- Trauer und Erschütterung vereinigen sich mit dem zuversichtlichen Ausblick auf die Auferstehung
- Die Botschaft Christi wird verkündet
Das Opfer der Erlösung
Wenn der Priester über Brot und Wein die wandelnden Worte Christi spricht, „Das ist mein Leib – Das ist mein Blut“, dann ist der Verstorbene ganz in dieses Opfer der Erlösung hineingenommen.
Das heilige Mahl der Kommunion:
- Ist die Vergegenwärtigung jenes ewigen Mahles
- Darin werden am Ende alle mit dem Verstorbenen vereint sein
Die Prozession zum Grab
Schließlich wird die Prozession zum Grab stattfinden, die wie ein Siegeszug begangen wird:
Die Ordnung der Prozession:
Das Kreuz wird vorangetragen
- Christi Siegeszeichen über den Tod
Die Kränze folgen
- Werden auf das Grab gelegt
- Nicht nur Zeichen menschlicher Verbundenheit
- Vor allem Ehren- und Siegeszeichen
Die Bedeutung:
- Hier wird ein Christ zu Grabe getragen
- Im Glauben an Christus gestorben
- Hat mit ihm den Sieg über den Tod errungen
- Sein Leib wird zum „Schlaf“ bestattet
- Bis Christus wiederkommt und ihn zum neuen und ewigen Leben auferweckt
Die Auferstehung des Leibes
Dies gilt auch, wenn vom Leichnam nur kleine Reliquien (Knochenreste o. a.) übrig bleiben oder wenn er ganz zu Staub zerfällt.
Theologische Begründung:
Denn der zerfallene materielle Leib ist und bleibt gleichsam als Bild und Modell im Geiste Gottes bestehen, um ihn am Ende neu zu bilden, wie er Adam aus dem Staub „nach seinem Bild“ geschaffen hat.
Die Wirkung der christlichen Sterbebegleitung
So schenkt die christliche Sterbebegleitung Heil, Trost und Segen.
Was sie nicht ist:
- Nicht nur Valium
- Nicht nur die Überwindung von Schmerzen
- Nicht nur Hilfe zum friedlichen Hinüberdämmern
Was sie ist:
Sie ist die Besiegung des Todes selbst!
Die Zeit danach
Christliche Sterbebegleitung: Die Gegenwart Christi
Der Gekreuzigte und Auferstandene ist gegenwärtig. Das ist das alles Entscheidende.
Christi Gegenwart und Wirken:
- Beim und im Gläubigen gegenwärtig
- Trägt in seinem Kreuz alles mit sich
- Besiegt und vergibt alle Sünde durch den Sühnetod
- Umfängt als Auferstandener den Sterbenden
- Führt ihn an den Platz im Himmel, den er ihm bereitet hat
- Ist ihm durch Tod und Auferstehung schon vorausgegangen
Christliche Sterbebegleitung ist Begleitung des Sterbenden durch Christus selbst!
Die Gemeinschaft der Gläubigen
Und dies geschieht vor allem in der Gemeinschaft der Gläubigen, die ihm nahekommen in der Gemeinschaft mit Christus und seine Kirche.
Die Fortdauer der Gemeinschaft:
Und diese Gemeinschaft bleibt über den Tod hinaus bestehen.
Die besondere Bedeutung der sechs Wochen
Das gilt in besonderer Weise für die folgenden sechs Wochen.
Das Vorbild Christi
Erinnerung an die Zeit nach Christi Auferstehung:
- Gedanken an das Begräbnis Christi
- Erinnerung an die sechs Wochen, in denen der Auferstandene noch auf Erden mit den Aposteln umging
- Einzigartige Gegenwart des Auferstandenen
- Vom Karfreitag bis zur Himmelfahrt: genau 42 Tage, sechs Wochen
Die Bedeutung für die Verstorbenen
Deswegen messen wir diesen 42 Tagen nach dem Tod eine besondere Bedeutung bei:
Die Bedeutung dieser Zeit:
- Die Seele des Verstorbenen steht noch in einer näheren Gemeinschaft mit seinem Leibe
- Das Abschiednehmen vom Verstorbenen dauert noch in dieser Zeit besonders an
- Wird durch die Feier der „Sechs-Wochen-Messe“ vollendet
Die Gestaltung des Grabes
Im Laufe der Zeit:
- Das Grab wird vollendet
- Mit Gedenkstein und Blumenschmuck
- Solange Angehörige leben, werden sie sich sammeln:
- Im Gebet
- In Meßfeiern
- Besonders beim Jahresgedenken
- Am Allerseelentage
Das christliche Gedenken
Ein Verstorbener bleibt in der christlichen Gedenkkultur immer lebendig…
Die christliche Sterbebegleitung schenkt damit nicht nur Trost im Moment des Todes, sondern schafft eine Brücke der Gemeinschaft, die über den Tod hinaus währt und die Erinnerung an die Verstorbenen als lebendige Glieder der Glaubensgemeinschaft bewahrt.
Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin Anton Behrens, geboren am 1. November 1943 in Börgerwald. Seit meiner Priesterweihe 1969 habe ich vielfältige Aufgaben in der Kirche übernommen, wobei mein besonderes Engagement der Jugendpastoral gilt. Meine Arbeit begann in Meppen und führte mich über Neuenkirchen/Bramsche, wo ich maßgeblich an der Gründung der Communität junger Christen (CJC) beteiligt war, weiter nach Hollage und Bramsche. Nach einer Zwischenstation als Krankenhaus-Seelsorger war ich von 2000 bis 2010 Pfarrer in Malgarten und Bramsche. Seit 2010 konzentriere ich mich auf die Seelsorge und die Arbeit mit der CJC, um Menschen aller Generationen zu begleiten.
Mit herzlichen Grüßen,
Anton Behrens

