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ToggleWeihnachten – was ist das eigentlich?
Nun beginnt sie wieder – die Weihnachtszeit. Straßen und Häuser werden mit Lichtkaskaden überzogen. Alberne Weihnachtsmänner in Coca-Cola-Rot und Zipfelmützen animieren in den Kaufhäusern zum weihnachtlichen Kaufrausch. Es wird das Fest der Liebe und der Familie beschworen, doch Weihnachtsmärkte und Partys wetteifern um die Termine. Was ist denn eigentlich los? Kommt nicht das mulmige Gefühl auf, dass man irgendwie den Sinn verloren hat für das, worum es geht? So manche entziehen sich diesem Rummel. Und so mancher findet Trost und inneres Licht, indem er in eine Kirche flüchtet und in gedämpftem Licht, im Schein eines Adventskranzes, die wahre weihnachtliche Botschaft neu entdeckt.
Wir möchten hier diese Neuentdeckung unterstützen mit einem Blick auf das christliche Glaubensbekenntnis, das an jedem Sonntag von den – zwar kleinen, aber gläubigen – Scharen gebetet wird.
Das christliche Glaubensbekenntnis
Die ersten Sätze lauten:
ICH GLAUBE...
I. … an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…
II. … und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
III. … empfangen durch den Heiligen Geist,
IV. … geboren von der Jungfrau Maria.
Ist es nicht höchst erstaunlich, dass die Christen in aller Welt an ihren Sonn- und Feiertagen im Gottesdienst diese Sätze sprechen? Und zu Weihnachten werden es in den unterschiedlichsten Sprachen der Welt mehrere Millionen Menschen singen oder beten. Selbst wenn das, was hier formuliert ist, nicht von allen ganz geglaubt oder verstanden wird – es ist jene Formulierung des Glaubens, die aus den ursprünglichsten Quellen der Apostel stammt; die seit über 2000 Jahren Gültigkeit besitzt und unverändert in Millionen Gottesdiensten erklingt – allem Lärm, Getöse und Zweifeln in der Welt ringsum zum Trotz! Wenden wir uns diesen Aussagen näher zu.
Die erste Aussage: Glaube an Gott, den Vater
Die erste Aussage lautet: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Ist das nicht eine zu Herzen gehende Aussage?! Nein, die Welt kommt nicht aus einem leeren Nichts, aus blindem Zufall; nein, sie steigt nicht eigenmächtig und evolutiv empor, um am Ende in Chaos und Nichts zu verschwinden… Denn ja, die Welt hat einen einzigartigen Schöpfer, einen unendlich weisen und mächtigen; einen grenzenlos liebenden, der zu Recht „Vater“ heißt und den wir nennen und anrufen dürfen! Und er hat eine wunderbare Welt erschaffen, in der wir seine Größe und Herrlichkeit erahnen und bestaunen können. Alles hat er sehr, sehr gut gemacht.
Und mehr noch: er ist weit, weit größer als wir es uns vorstellen können. Denn er ist nicht nur der Schöpfer unserer sichtbaren Welt, der Erde, sondern auch der unsichtbaren, des Himmels; der Geistwesen verschiedenster Art: Engel, Cherubine, Herrschaften und Gewalten… In jedem Heiliglied der heiligen Messe werden sie genannt und angerufen und unsere Zukunft und Gemeinschaft mit Ihnen bekannt.
„O Vater, wie herrlich bist du! Wie schön, dein Geschöpf zu sein, dein Kind! Danke, Vater, dass ich leben darf, um einst ewig bei dir glücklich zu sein!“
Die zweite Aussage: Jesus Christus, der eingemachte Sohn
Die zweite Aussage lautet: Jesus Christus ist der „eingeborene Sohn“ des Vaters.
Der „Eingeborene“ bedeutet: der Einziggeborene. Er ist also nicht einer von vielen – wie etwa im Altertum die heidnischen Götter gedacht waren, die die Welt und die Weltenkräfte gleichsam untereinander aufgeteilt hatten und im ständigen Streit miteinander standen… denen man opfern musste, um ihren Zorn zu besänftigen und ihre Gunst zu erwerben… Auch nicht wie etwa in der Moderne viele Kräfte, Bewegungen und Prozesse gedacht werden, die neben oder ohne Gott die Welt bestimmen und die man mit Wissenschaft und Technik beherrschen muss, um darin leben zu können. Hier ist klar: er ist der Einzige! Und so kann es auch in der Welt nur einen Einzigen geben, der alles in seiner Macht hält. Nur diesem Einen glauben wir und vertrauen wir uns an! Er ist es, der uns rettet und trägt.
Der „Eingeborene“ bedeutet auch: der Sohn des Vaters. Genau so ewig, göttlich, herrschaftlich wie Gott-Vater selbst. So voller Liebe zu uns wie der Vater! Er ist nicht irgendwann entstanden, geworden, entwickelt; er ist von Ewigkeit her, geboren aus dem Vater; vor und jenseits aller Zeiten schon existent, wie der Vater selbst.
Für ihn und auf ihn hin hat der Vater alles erschaffen. Die Schöpfung ist kein Chaos- oder Experimentier-Produkt, von dem Gott am Anfang nicht wusste, was am Ende daraus werden sollte. Nein, der Vater hat alles für seinen Sohn gestaltet. Auf ihn hin, nach seiner Gestalt und nach seinem Wesen ist alles erschaffen, damit darin der Sohn seinen Glanz und seine Herrlichkeit ausstrahlt. Die Schöpfung ist geworden und gestaltet als Gewand und Wirkraum des Sohnes. Dieser aber ist der Erstgeborene aller Schöpfung, ihr Urbild und ihre Vollendung.
„O Jesus, wie groß und erhaben bist du! Wahrhaft anbetungswürdig durch alle Schöpfung – durch die unendlichen Weiten des Universums; durch die zahllosen Seelen der Menschen; in der unfaßbaren Herrlichkeit des Himmels! Auch ich bin auf dich hin geschaffen und rastlos ist mein Herz bis es ruht in dir! O laß mich dich preisen in Ewigkeit!“
Die dritte Aussage: Empfangen durch den Heiligen Geist
Die dritte Aussage lautet: Jesus Christus… ist empfangen durch den Heiligen Geist.
Hier wird nun die dritte Person des dreifaltigen Wesens Gottes vorgestellt: der Heilige Geist. Er ist die alles bewegende und grenzenlos kreative Kraft, die ebenso wie der Sohn in Einheit mit dem Vater lebt und handelt. (Diese Drei-Einheit kann man sich vorstellen wie eine Feuerflamme: die Flamme ist eine einzige – und doch enthält sie noch verschiedene Kräfte: Licht und Hitze, die von ihr ausgehen und in ihr verwurzelt und eins sind.)
Dieser Heilige Geist ist die personifizierte Kreativität Gottes. Er hat die ganze Schöpfung hervorgebracht und mit Leben und Liebe durchdrungen. Er ist es, der die ganze Evolution bewirkt, lenkt und belebt. Und allen lebenden Wesen pflanzt er ihre Zeugungskraft ein. Und man versinke in Erstaunen: Bei jeder Zeugung haucht er dem Menschen die unsterbliche Seele ein und gibt jedem Menschen seine Individualität und Personalität. Seit Millionen Jahren, bei jeder einzelnen Zeugung! Keine „Abstammung aus dem Tierreich“ – nein, Kreation Gottes, des Heiligen Geistes!
Und dann nähern wir uns einer ganz und gar atemberaubenden Aussage, welche viele, viele Menschen für völlig unmöglich und abwegig, ja sogar irrsinnig, sogar lächerlich halten: Der Heilige Geist bewirkt bei einer einzigen Frau eine einzigartige Empfängnis: dass der eingeborene Sohn des Vaters als Mensch empfangen und geboren wird! Nicht ein Wesen halb Gott, halb Mensch; nicht ein Wesen, welches das menschliche nur wie ein Kleid übergestülpt hat – nein: der Gottes-Sohn in seiner ganzen Gottheit wird empfangen durch eine Frau und wird voll und ganz Mensch! Wächst in ganzer Menschlichkeit heran. Nicht ein Mensch nur mit übernatürlichen Kräften; nicht ein Gott mit einem unnatürlichen Scheinleib, der weder glücks- noch leidensfähig wäre. Nein, eine vollständige Person – 100% Gott und 100% Mensch. Ein einzigartiges Werk des einzigartigen Gottes durch seinen einzigartigen Heiligen Geist! Unfassbar, göttlich!! Und deswegen glaubwürdig, anbetungswürdig.
„O Gott, Heiliger Geist, wie großartig bist du! So still und verborgen und doch alles durchströmend und wirkend! Aus dir entlassen sänke alles in den Abgrund des Nichts, aus dem du es zum Sein erhobst. Du, näher mir als ich mir selbst und innerlicher als mein Innerstes. Ach, sei die wahre Seele meiner Seele, der unsterbliche Leib meines Leibes: Heiliger Geist – unerschöpfliche Schöpferkraft; ewige Liebe!“
Die vierte Aussage: Geboren von der Jungfrau Maria
Eine vierte Aussage sollen wir betrachten: Jesus Christus… geboren von der Jungfrau Maria.
Drei Botschaften klingen darin:
Christus wurde von Maria geboren!
D. h. Christus durchlief alle Stadien der Entstehung und alle Stadien der embryonalen Entwicklung eines Menschen bis hin zur endgültigen Geburt. Jesus wird ein Baby, wie jeder Mensch; wächst heran, wird ein erwachsener Mann… Und Maria hat ihn wirklich geboren. D. h: er hat seine ganze Menschlichkeit von ihr. Maria hat ihn nicht nur irgendwie „zur Welt gebracht“ wie einen Fremdkörper; sie hat ihm ihre ganze Menschlichkeit als seine gegeben: Fleisch und Blut, Leib und Seele… Christus ist ihr wahrer Sohn! Sie ist seine wahre Mutter! Sie ist Gottesmutter, weil Gottheit und Menschheit in Jesus eine einzige Person bilden.
Maria ist Jungfrau!
Sie war ganz dafür geschaffen, Gottes einzigartiges „Gefäß“ zu sein und sie hat dies ganz persönlich angenommen und realisiert. Ohne Erbsünde empfangen – ohne Sünde lebend. Sie war die „Frau für Gott“! Gleichsam „Gottes Braut und Ehefrau“! Und das bedeutet schon in ihrer irdischen Lebensweise, dass sie niemals einem Mann gehören und mit ihm einen ehelichen Leib bilden kann. Sie ist die „Jungfrau Gottes“, die „Magd des Herrn“. Nicht nur weil sie vielleicht zufällig (noch) nicht verheiratet war. Nicht, weil Sexualität böse ist. Nein, nur weil sie einfach ganz für Gott da war.
Maria ist die Tochter Joachims und Annas.
Sie ist kein Phantasie-Produkt frommer Legende, keine mythologische Figur religiöser Erbauung und keine imaginäre Gestalt der christlichen Literatur. Sie ist konkret, wirklich. Eine Person, die mit Namen zu nennen ist – „Mariä“; die Eltern hat und Geschwister, die an einem bestimmten Ort unter bestimmten Umständen gelebt hat. Die Empfängnis Jesu, von der die Rede ist, hat Ort und Zeit. Es war in Nazareth zur Zeit des Kaisers Augustus. Der Ort, die Grotte, ist zu betreten; der Ort der Geburt, die wir feiern, ebenso. Es war in Bethlehem vor 2000 Jahren. Die Geburtsstätte ist zu besuchen. In Maria wird Erlösung konkret und so ist es auch bei uns selbst. Sie wird ganz konkret werden! Mit Leib und Seele.
„O Maria, welch Wunder göttlichen Wirkens erblicken wir in dir! Inmitten einer Welt, die dem Abgrund zugleitet, bist du die neue Erde, die sich strahlend dem Himmel öffnet. Inmitten einer Menschheit, die sich dem Hass, der Verderbnis, der Tod-Sünde der Gottlosigkeit ausliefert, bist du die reine Hingabe an Gott; das Paradies und der Quellgrund des neuen, seligen Lebens. Ach, lass doch die Menschheit an den Quellen deiner Reinheit und Gotteshingabe gesunden! Lass sie – uns alle – an der Weihnachtskrippe deinen Geist einatmen, damit wir Menschen werden: Kinder Gottes; und lass uns, wie du, den Herrn in uns aufnehmen. Du hast ihn einst empfangen und geboren in seiner menschlichen Gestalt – geboren jedoch, um unser Lebensbrot zu werden. Hilf uns, ihn in seiner Brotgestalt gläubig zu empfangen wie du ihn einst in Nazareth empfangen hast. Dann ist für uns Advent. Und dann wird Weihnachten sein – trotz der täuschenden Glitzerwelt ringsum. Ave Maria!“
Beherzigen wir das Wort des Dichters Angelus Silesius: „Und wäre Jesus tausendmal in Bethlehem geboren, jedoch niemals in dir, du wärest dennoch ewiglich verloren.“
Allen Lesern und Betern ein tiefinnerliches und frohes Fest der Geburt Christi! „`
Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin Anton Behrens, geboren am 1. November 1943 in Börgerwald. Seit meiner Priesterweihe 1969 habe ich vielfältige Aufgaben in der Kirche übernommen, wobei mein besonderes Engagement der Jugendpastoral gilt. Meine Arbeit begann in Meppen und führte mich über Neuenkirchen/Bramsche, wo ich maßgeblich an der Gründung der Communität junger Christen (CJC) beteiligt war, weiter nach Hollage und Bramsche. Nach einer Zwischenstation als Krankenhaus-Seelsorger war ich von 2000 bis 2010 Pfarrer in Malgarten und Bramsche. Seit 2010 konzentriere ich mich auf die Seelsorge und die Arbeit mit der CJC, um Menschen aller Generationen zu begleiten.
Mit herzlichen Grüßen,
Anton Behrens

